Tariferhöhungen 2012 im ÖV:
Der Bundesrat heizt die Bahnpreise an

Ende Jahr bekommen die Bahnreisenden die bundesrätliche Verkehrspolitik zum ersten Mal so richtig zu spüren: Die Erhöhung der Trassenpreise zwingt die SBB und die übrigen Unternehmen des öffentlichen Verkehrs, ihre Tarife um durchschnittlich 5,7 Prozent zu erhöhen. Der VCS Verkehrs-Club der Schweiz begrüsst, dass die Verkehrsunternehmen den Ernst der Situation erfasst haben und die höheren Trassenpreise nicht vollumfänglich auf die Kundschaft überwälzen.
Letzten Sommer beschloss der Bundesrat, die so genannten Trassenpreise zu erhöhen, welche die Bahnunternehmen für die Benutzung des Schienennetzes zahlen. Diese steigen auf Dezember dieses Jahres um 200 Millionen Franken. Was dies wirklich bedeutet, bekommen die Bahnreisenden bald zu spüren. Die SBB und die übrigen Unternehmen des öffentlichen Verkehrs sind gezwungen, diese zusätzlichen Kosten auf ihre Kundschaft zu überwälzen. Die Folge: Ab Mitte Dezember müssen die Fahrgäste durchschnittlich 5,7 Prozent mehr berappen.
Besonders zur Kasse gebeten werden die treuesten Kundinnen und Kunden: Die Preise für Abonnemente steigen um 6 bis 8 Prozent. Geht es in diesem Stil weiter, wird die Kundschaft des öffentlichen Verkehrs systematisch vergrault. Diese Gefahr ist umso grösser, als die Betriebe des öffentlichen Verkehrs weitere Preiserhöhungen planen, um dringend benötigtes Rollmaterial beschaffen zu können. Insgesamt droht deshalb in den nächsten sechs Jahren eine Verteuerung der Billettpreise um 27 Prozent.
Augenmass und Verantwortungsbewusstsein
In einer derartigen Situation ist Augenmass und Verantwortungsbewusstsein gefragt: Die SBB und die übrigen Betriebe des öffentlichen Verkehrs haben dies nun unter Beweis gestellt. Sie überwälzen nicht die gesamte Erhöhung der Trassenpreise auf die Kundschaft. Ansonsten würden die Tarife nicht um durchschnittlich 5,7, sondern um ganze 9 Prozent steigen.
Der VCS appelliert an den Bundesrat und das Parlament, ebenfalls Augenmass walten zu lassen. Auf die geplante zweite Tranche der Erhöhung der Trassenpreise um 100 Millionen Franken muss verzichtet werden, um die Bahnpreise nicht weiter anzuheizen. Umweltpolitisch ist es Unsinn, ausgerechnet das auf langen Distanzen umweltgerechteste Verkehrsmittel einseitig zu verteuern. Damit werden die Reisenden aufgefordert, wieder vermehrt das Auto zu benutzen.
Während die Bahnpreise in den nächsten Jahren drastisch zu steigen drohen, macht der Bundesrat zahlreiche Konzessionen an die Autoverbände. Ausser einer mässigen, längst überfälligen Erhöhung der Autobahnvignette soll das Autofahren in den nächsten Jahren nicht teurer werden. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn der Bundesrat sündhaft teuere Emissionszertifikate kaufen muss, um das Kyoto-Ziel durch die Hintertür doch noch zu erreichen.
Es liegt nun am Parlament, Gegensteuer zu geben. Eine nachhaltige Verkehrspolitik tut Not. Mit der Volksinitiative «Für den öffentlichen Verkehr» haben der VCS und seine Partnerorganisationen einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, wie der Ausbau des Schienennetzes ohne weitere Preiserhöhungen finanziert werden kann. Damit wird ein Neuanfang in der schweizerischen Verkehrspolitik gemacht.
Kontaktinformationen
Gerhard Tubandt, Mediensprecher VCS, Tel.: 079 708 05 36