Lebensräume statt Strassen planen!

Rund eine Milliarde Franken will der Kanton Aargau bis 2040 im östlichen Kantonsteil in die Strasseninfrastruktur investieren, um die regionalen Zentren Baden und Brugg vom Durchgangsverkehr zu entlasten und die Region Zurzach besser an das Nationalstrassennetz anzubinden. Das Projekt «Ostaargauer Strassenentwicklung», schönfärberisch als OASE bezeichnet, nimmt zwar erstmals in der Geschichte der neuen Aargauer Verkehrspolitik auch den Fuss- und den Veloverkehr als Teil des Gesamtverkehrssystems ernst; wie der Projektname und der Kostenhorizont aber unmissverständlich klarstellen, geht es in erster Linie um den Aus- und Neubau von Strassen und nicht um die Entwicklung nachhaltiger Mobilität.

Seit etlichen Jahren pröbelt das Verkehrsdepartement in Aarau an Lösungen herum. Dabei zeigt sich symptomatisch, woran die Aargauer Mobilitätspolitik krankt: Es ist zu viel Geld in der Kasse. Da sind die Wachstumsprognosen von Bund und Kanton, die dem Ostaargau in den nächsten 25 Jahren eine Bevölkerungszunahme um 30 Prozent voraussagen, eine Steilvorlage: Wächst die Bevölkerung, müssen die Strassen mitwachsen, so der Irrglaube. Dabei besteht die Herausforderung darin, auf das hohe Mass an hausgemachtem Verkehr – die Region Baden leidet unter rund 85 Prozent Ziel-/Quell- und Binnenverkehr – adäquate Antworten zu finden. Doch die prall gefüllte Strassenkasse erweist sich als hinderlich für nachhaltige Planungsansätze.

Um der betonlastigen Planung des Kantons etwas entgegenzusetzen, hat sich unter dem Namen OASIN eine parteiunabhängige Arbeitsgruppe aus Raumplanern, Verkehrsfachleuten und Politikern gebildet, der auch Mitglieder des VCS angehören. Dass der Name der Gruppe an ein Medikament erinnert, ist durchaus gewollt: Er steht für «Ostaargauer Siedlungsentwicklung, intelligent und nachhaltig» und versteht sich mit einem Augenzwinkern als Heilmittel für die OASE. Im Vordergrund der Überlegungen stehen Massnahmen zur Verkehrsvermeidung und die Verlagerung auf nachhaltige Verkehrsmittel. Statt neue Strassen zu planen, soll der Kanton den Ostaargau als urbanes Gebiet betrachten und städtische Infrastrukturen entwickeln. Mit einer «Politik der kurzen Wege» sollen dezentrale Strukturen gefördert werden, eine Aufwertung der öffentlichen Räume soll dazu einladen, sich zu Fuss oder per Velo zu bewegen, und attraktive öffentliche Verkehrsmittel sollen die schnelle und zuverlässige Erreichbarkeit der Zentren sicherstellen. Eine Abkehr von der Strassenentwicklung zugunsten einer nachhaltigen Mobilitätsplanung ist eine Chance für eine lebenswerte Siedlungslandschaft. In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob eine solche Verkehrswende auch im Aargau möglich ist.

Christian Keller

www.oasin.ch